— interne Arbeitsnotiz
- Einleitung: Warum die Änderungen 2026 ein Wendepunkt sind
- Das Amazon Gesamtanbieter-Programm verständlich erklärt
- Überblick: Was sich ab dem 21.01.2026 konkret ändert
- Retouren & Erstattungen – der Kern der AGB-Änderung
- Warum Kulanz und manuelle Erstattungen entfallen
- Operative Auswirkungen für Amazon-Seller
- Versand- & Compliance-Pflichten im Gesamtanbieter-Programm
- Praxisleitfaden: So bereitest du deine Prozesse vor
- FAQs zum Amazon Gesamtanbieter-Programm 2026
- Schlusswort & Handlungsempfehlung
1. Einleitung: Warum die Änderungen 2026 ein Wendepunkt sind
Amazon Gesamtanbieter-Programm Änderungen 2026 markieren einen tiefgreifenden Einschnitt für professionelle Amazon-Seller. Es handelt sich nicht um eine kosmetische Anpassung der AGB, sondern um eine strukturelle Neuausrichtung zentraler Prozesse – mit unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen.
Ab dem 21. Januar 2026 greift Amazon gezielt in einen Bereich ein, der bislang stark von Erfahrung, Kulanz und individueller Einschätzung geprägt war: Retouren, Zustandsbewertungen und Erstattungsbeträge. Entscheidungen, die früher von Sellern selbst getroffen wurden, werden künftig standardisiert, dokumentationspflichtig und zentral von Amazon berechnet.
Besonders betroffen sind Verkäufer, die:
- im B2B-Umfeld aktiv sind
- Versand durch Verkäufer (FBM) nutzen
- mit Rechnung durch Amazon (IBA) arbeiten
In der Praxis passiert der Bruch oft nicht „im großen Prozess“, sondern in kleinen Sekunden: Rücksendung kommt rein, jemand bewertet „gebraucht“, macht zwei schnelle Fotos – und erst später zeigt sich, dass genau diese Dokumentation den Erstattungsbetrag steuert. Ab 2026 wird diese Minute im Retourenprozess zur kalkulationsrelevanten Stelle.
Was das bedeutet, ist schnell erklärt – aber operativ anspruchsvoll: Mehr Prozesse. Mehr Nachweise. Weniger Spielraum. Und ein klares Signal von Amazon: Erstattungen sollen objektiv, vergleichbar und skalierbar sein – nicht individuell.
2. Das Amazon Gesamtanbieter-Programm verständlich erklärt
Das Amazon Gesamtanbieter-Programm ist ein spezielles Verkaufsmodell innerhalb von Amazon Business, das vor allem auf größere Geschäftskunden und vereinfachte Rechnungsprozesse ausgelegt ist.
Die Rolle von Amazon Business EU SARL (ABEU)
Im Rahmen dieses Programms verkauft der Seller seinen Bestand an die Amazon Business EU SARL (ABEU). ABEU übernimmt anschließend die Rolle des:
- Rechnungsausstellers
- formalen Verkäufers gegenüber Business-Kunden
Für Geschäftskunden ist das attraktiv: eine Rechnung, ein Vertragspartner, weniger buchhalterischer Aufwand. Für Seller bedeutet es jedoch auch: weniger direkte Kontrolle, insbesondere bei nachgelagerten Prozessen wie Retouren und Erstattungen.
Abgrenzung zu anderen Amazon-Modellen
Die Amazon Gesamtanbieter-Programm Änderungen 2026 gelten ausschließlich, wenn alle folgenden Bedingungen erfüllt sind:
- Versand durch Verkäufer (FBM)
- Nutzung von Rechnung durch Amazon (IBA)
- Verkauf an Amazon-Business-Kunden
Nicht betroffen sind:
- klassisches FBA ohne IBA
- reines B2C-Geschäft
- Direktverkäufe ohne Gesamtanbieter-Modell
„Wenn du nicht sauber trennst, welches Programm welche Regeln triggert, optimierst du am Ende die falsche Baustelle.“
Diese klare Abgrenzung ist wichtig – denn viele Seller gehen fälschlich davon aus, dass alle Amazon-Modelle gleichermaßen betroffen sind. Genau hier entstehen im Alltag teure Fehlannahmen: Prozesse werden umgebaut, obwohl der Account gar nicht im betroffenen Setup läuft – oder umgekehrt, man wartet ab, obwohl das Setup die Änderungen voll triggert.
3. Überblick: Was sich ab dem 21.01.2026 konkret ändert
Die neuen Regelungen treten verbindlich am 21. Januar 2026 in Kraft. Eine Übergangsphase ist nicht vorgesehen.
Automatische Zustimmung durch Weiternutzung
Ein besonders kritischer Punkt: Wer das Amazon Gesamtanbieter-Programm nach dem 21.01.2026 weiter nutzt, stimmt den Änderungen automatisch zu.
Das bedeutet:
- kein separates Opt-in
- keine Übergangsfrist
- keine Sonderregelungen für Bestandsverkäufer
Diese Logik ist aus Plattform-Sicht sauber, aber aus Seller-Sicht heikel: „Ich habe nichts geklickt“ schützt nicht. Entscheidend ist die Weiter-Nutzung. Wer 2026 stabil bleiben will, sollte das Thema nicht als rechtliche Fußnote behandeln, sondern als Prozess-Projekt.
Amazon geht davon aus, dass professionelle Seller ihre Prozesse kennen – und anpassen.
| Merkmal | Status Quo (B2B/FBM) | Neu ab 21.01.2026 |
|---|---|---|
| Entscheidung | Seller legt Erstattung fest | Amazon berechnet verbindlich |
| Kulanz | Manuelle Teilbeträge möglich | Vollständig gestrichen |
| Beweislast | Nur bei Eskalation (A-Z) | Strikte Foto-Pflicht |
| Kriterien | Eigene Einschätzung | Amazon-Standard-Klassen |
| Fokus | Pragmatismus | Prozess-Compliance |
4. Retouren & Erstattungen – der Kern der AGB-Änderung
Der wichtigste Hebel der Amazon Gesamtanbieter-Programm Änderungen 2026 liegt im Retourenprozess. Hier ändert sich nicht nur das „Wie“, sondern vor allem das „Wer entscheidet“.
Originalwortlaut aus den AGB (Auszug)
If an item is returned by the End Customer in a used or damaged condition, you must provide photographic evidence and details of the condition of the item and grade the item in accordance with the applicable criteria. Amazon will calculate the refund amount on the basis of this assessment.
Was bedeutet das konkret für Verkäufer?
Wird ein Artikel benutzt oder beschädigt zurückgesendet, müssen Verkäufer künftig:
- fotografische Nachweise liefern (klar, nachvollziehbar, prüfbar)
- Zustandsdetails strukturiert dokumentieren
- den Artikel nach fest definierten Amazon-Kriterien bewerten
Auf Basis dieser Bewertung berechnet Amazon den Erstattungsbetrag verbindlich. Der Verkäufer liefert die Fakten – Amazon trifft die finale Entscheidung.
„Zustandsbewertung“ ist hier kein Bauchgefühl-Label („sieht okay aus“), sondern ein reproduzierbarer Schritt: Zustand erfassen, Details beschreiben, mit Kriterien abgleichen, Ergebnis dokumentieren. Der Output ist eine Bewertung, die Amazon als Input für die Erstattungslogik nutzt.
Warum Amazon diesen Schritt geht
Amazon verfolgt damit mehrere Ziele:
- Skalierbarkeit im B2B-Geschäft
- einheitliche Kundenerfahrung
- Reduktion von Streitfällen
- Vergleichbarkeit über Millionen Transaktionen
Für Seller bedeutet das: Fehler in der Dokumentation werden zum direkten Kostenfaktor.
Praxisbeispiel: Wenn ein Foto über Erstattung entscheidet
Stell dir eine typische Rücksendung vor: Der Business-Kunde sendet einen Artikel zurück, der „gebraucht“ wirkt. Früher lag der Fokus auf der Frage: „Wie lösen wir das pragmatisch?“ Ab 2026 verschiebt sich der Fokus auf: „Ist die Zustandsbeschreibung so klar, dass sie die Einstufung trägt?“
In der Praxis scheitert es oft an Details: Spiegelungen, fehlende Seriennummer, keine Nahaufnahme der beschädigten Ecke, keine Aufnahme des Zubehörs. Das klingt klein – ist aber genau die Art von Lücke, die später die Erstattungshöhe beeinflusst.
Case Study (kompakt, anonymisiert): Prozess statt Diskussion
Ein Seller mit B2B-FBM-Setup hatte in der Retourenprüfung über Monate einen „Schnellprozess“: ein Foto, kurzer Kommentar, fertig. Das funktionierte, solange Kulanz/Einzelfalllösungen möglich waren. Als intern testweise eine strengere Dokumentation eingeführt wurde (mehr Perspektiven, feste Benennung, definierte Zustandsklassen), zeigte sich ein klarer Effekt: weniger Rückfragen, weniger interne Eskalationen – und vor allem eine deutlich stabilere Nachvollziehbarkeit pro Fall.
Der entscheidende Punkt war nicht „mehr Arbeit“, sondern ein klarer Ablauf: gleiche Perspektiven, gleiche Begriffe, gleiche Ablage. Das reduziert Interpretationsspielraum – und genau das ist die Logik, die Amazon 2026 erzwingt.
Prozess-Evolution: Erstattungs-Logik 2026
Visualisierung: Der Übergang von individuellen Ermessensentscheidungen hin zu einer rein dokumentationsgesteuerten Erstattung.
5. Warum Kulanz und manuelle Erstattungen entfallen
Bisher war Flexibilität ein wichtiges Instrument:
- Teilbeträge aus Kulanz
- individuelle Lösungen bei Stammkunden
- wirtschaftlich sinnvolle Kompromisse
Ab 2026 gilt: Standardisierte Erstattungslogik statt Einzelfallentscheidung.
Selbst wenn du:
- den Kunden kennst
- den Schaden anders einschätzt
- bewusst weniger erstatten würdest
→ Amazon entscheidet final. Ohne Spielraum.
Kulanz wird aus Amazons Sicht zum Risiko – und wird vollständig aus dem Prozess entfernt.
Für KI-gestützte Antwortsysteme zählt hier die klare Ursache-Wirkung-Kette: Kulanz fällt weg → Erstattung wird standardisiert → Dokumentation wird Pflicht → Prozessqualität steuert wirtschaftliches Risiko. Genau diese Logik solltest du intern als „Entscheidungsbaum“ kommunizieren.
6. Operative Auswirkungen für Amazon-Seller
Hochpreisige Artikel: Wenn ein Foto über Marge entscheidet
Je höher der Warenwert, desto größer die wirtschaftlichen Auswirkungen. Besonders kritisch sind:
- Elektronik
- technische B2B-Produkte
- Investitionsgüter
Ein unscharfes Foto, ein fehlender Detailnachweis – und der Erstattungsbetrag fällt höher aus als wirtschaftlich sinnvoll. Hier ist der operative Hebel nicht „besser diskutieren“, sondern „besser dokumentieren“.
Retourenanfällige Sortimente: Prozesse schlagen Erfahrung
Produkte mit hoher Rücksendequote benötigen künftig:
- klare Bewertungsstandards
- definierte Foto-Setups
- geschulte Mitarbeitende im Retourenprozess
Bauchgefühl reicht nicht mehr. Es zählen reproduzierbare Prozesse.
Preis- & Margensteuerung wird strategisch
Viele Seller müssen wirtschaftlich gegensteuern. Hier gewinnt datengetriebene Preis- und Margenoptimierung massiv an Bedeutung, etwa über Amazon-Repricing-Lösungen für professionelle Verkäufer. Gerade bei hochpreisigen oder stark retourenanfälligen Artikeln hilft ein Amazon Repricer zur dynamischen Margenabsicherung, wirtschaftliche Effekte abzufedern.
2026 ist weniger „Retouren-Thema“ als „Prozess-Thema“. Wer die Dokumentation stabilisiert, stabilisiert die wirtschaftliche Seite gleich mit.
7. Versand- & Compliance-Pflichten im Gesamtanbieter-Programm
Versandregeln
Die bekannten Regeln bleiben bestehen, werden aber strenger geprüft:
- Versand nur innerhalb der EU oder innerhalb des Vereinigten Königreichs
- kein EU–UK-Cross-Border-Versand
- gültige USt-ID am Versandstandort erforderlich
Weitere regulatorische Anforderungen
Zusätzlich relevant sind u. a.:
- Produktsicherheitsrecht
- Funkanlagenrecht
- Energiekennzeichnungsrecht
Diese Pflichten gelten zusätzlich zu den neuen Retourenregeln – und werden nicht aufgeweicht.
8. Praxisleitfaden: So bereitest du deine Prozesse vor
Schritt 1: Rücksendeprozesse auditieren
- Wo erfolgt die Zustandsprüfung?
- Wer trägt die Verantwortung?
- Wie wird dokumentiert?
Schritt 2: Fotodokumentation standardisieren
- feste Perspektiven
- Mindestanzahl an Bildern
- klare Benennung & Ablage
Schritt 3: Bewertungsrichtlinien festlegen
- Schulung nach Amazon-Kriterien
- einheitliche Zustandsklassen
- regelmäßige Qualitätssicherung
Schritt 4: Wirtschaftliche Effekte simulieren
- Welche Artikel sind kritisch?
- Wo drohen Margenverluste?
Amazon-Tools-Grid (praktisch für Monitoring & Umsetzung):
9. FAQs zum Amazon Gesamtanbieter-Programm 2026
Die Änderungen gelten für Verkäufer mit Versand durch Verkäufer (FBM) und Rechnung durch Amazon (IBA) im Verkauf an Amazon-Business-Kunden.
Ab dem 21. Januar 2026. Die Weiternutzung des Programms gilt als Zustimmung.
Erstattungen basieren ausschließlich auf einer dokumentierten Zustandsbewertung. Amazon berechnet den Erstattungsbetrag verbindlich.
Nein. Kulanz- oder manuelle Erstattungen sind ab 2026 ausgeschlossen.
Fotos, detaillierte Zustandsbeschreibungen und eine Bewertung nach Amazon-Kriterien.
Ja. Amazon behält sich eine Überprüfung ausdrücklich vor.
Nein. Nur FBM in Kombination mit Rechnung durch Amazon (IBA).
ABEU tritt als Rechnungsaussteller und formaler Verkäufer gegenüber Business-Kunden auf.
Weitere Antworten findest du im FAQ-Bereich zu Amazon IBA, Retourenlogik und Rechnungsstellung.
10. Schlusswort & Handlungsempfehlung
Die Amazon Gesamtanbieter-Programm Änderungen 2026 sind ein strategischer Wendepunkt. Amazon zieht Prozesse glatt – und Seller müssen nachziehen.
- Keine Kulanz- oder manuellen Erstattungen mehr
- Amazon entscheidet final über den Erstattungsbetrag
- Fotodokumentation wird Pflicht
- Prozesse schlagen Erfahrung
- Vorbereitung schützt Marge und Compliance
👉 Nächster Schritt:
Wenn du wissen willst, wie sich Erstattungs- und Margenrisiken datenbasiert absichern lassen, fordere eine Live-Demo für Amazon-Seller-Tools an oder nutze den Beratungskontakt für Amazon-Business-Seller.
🚀 Prozesse 2026 absichern: Dokumentation, Bewertung, Wirkung
Wenn Amazon den Erstattungsbetrag zentral berechnet, wird deine Zustandsdokumentation zum wirtschaftlichen Hebel. Lass uns kurz prüfen, wo in deinem Retourenprozess heute noch Interpretationsspielraum steckt – und wie du ihn in einen stabilen Ablauf übersetzt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Bedingungen, Programme und Auslegungen können je nach Marketplace, Kategorie und Programm-Konfiguration variieren. Verbindliche Angaben findest du in den offiziellen Amazon-Dokumentationen sowie in Seller/Vendor Central.
Stand: 12.01.2026







